Welch eine Leistung der Mitglieder und Vereinsverantwortlichen vom Deutsch-Österreichischen Alpenverein Sektion Pforzheim (DuÖAV).
Was mit bescheidenen 87 Mitgliedern 1891 begann ist zu einem stattlichen Verein mit ca. 4.600 Mitgliedern angewachsen.
Nach dem Bau der ersten Pforzheimer Hütte am Schlinigpass 1901 in Südtirol, dass damals zum Kaiserreich Österreich gehörte und vom DuÖAV Sektion Pforzheim errichtet wurde, bedurfte es nochmal der Mobilisierung aller Kräfte um nur acht Jahre nach dem 1. Weltkrieg 1926 die „Neue Pforzheimer Hütte“ in den Stubaier Alpen, Sellrainer Bergen zu errichten.
Der ursprüngliche Gebäudeteil der „Pforzheimer Hütte“, ein Steinhaus mit zwei Stockwerken und einem Schlaflager im Dachgeschoss steht heute noch, in der baulichen Form wie vor 100 Jahren.
Nach den Erweiterungen in den Jahren 1968 und 1995 sowie der umfassenden energetisch-technischen Modernisierung der Hütte und ihrer Gebäudetechnik in den Jahren 2013–2014 präsentiert sich das Berghaus heute in neuem Glanz – eingebettet im hinteren, naturbelassenen Gleirschtal.
Mit dem ganzjährig geöffneten Winterraum (1967), der Materialseilbahn (1978) und der Wasserkraftanlage (1982) wurde die Infrastruktur stetig erweitert. 2014 entstand eine moderne Abwasserbehandlungsanlage nach höchsten technischen Standards, bevor 2019 eine neue Trinkwasseranlage mit UV-Desinfektion in Betrieb genommen wurde.
Die Generalrenovierung des Wasch- und WC-Bereichs für Frauen im Jahr 2024 sowie der neu geschaffene Wasch- und WC-Bereich für das Personal, verbunden mit der Generalrenovierung des Männerbereichs im Jahr 2026, runden die umfassenden Modernisierungsmaßnahmen ab.
Der Standort auf der alten Seitenmoräne des Gleirschgletschers ist besonders eindrucksvoll gewählt. Hoch über dem Talgrund, auf 2.308 m Seehöhe, liegt die Hütte in einer markanten Talbiegung von fast 90°. Von hier eröffnet sich einerseits ein beeindruckender Blick hinunter ins Gleirschtal, andererseits lassen sich die verbliebenen Eisfelder des Zischgen- und Gleirschgletschers bestaunen. Der Kranz der umliegenden Dreitausender – von der Lampsenspitze bis zur Haidenspitze – verleiht der Landschaft eine unverwechselbare hochalpine Atmosphäre.
Heute präsentiert sich dem Besucher ein Gebäude, das ganzjährig mit regenerativer Energie betrieben wird. Modernste Kraft-Wärme-Kopplung kommt dabei zum Einsatz: Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) auf Pflanzenölbasis, das mit heimischem Rapsöl betrieben wird, sowie eine großflächige Photovoltaikanlage ergänzen sich ideal. So stehen den Gästen rund um die Uhr elektrische Energie sowie warmes Wasser – im Sommer wie im Winter – zur Verfügung.
Dies ist vor allem dank der konsequent auf Energieeffizienz ausgerichteten Gebäudetechnik möglich. Mit Investitionen von nahezu 1 Mio. € ist es gelungen, den CO2-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten und dennoch jederzeit den gewohnten Komfort aus Strom- und Wärmeversorgung zu gewährleisten.
Neben den baulichen und gebäudetechnischen Erneuerungen konnte das Berghaus auch seine Besucherzahl steigern. Mit dem Start der Aktionsgemeinschaft der Sellrainer Hüttenrunde (SHR 2009) haben sich die Besucherzahlen vervierfacht. Heute sind wir mit fast 6.000 Nächtigungen jährlich an der maximalen Auslastung unserer Hütte angekommen. Es ist gelungen, mit den Angeboten mehrtägiger Wanderungen von Hütte zu Hütte die Schönheit und Stille der Sellrainer Berge in die Welt zu tragen. Heute zieht es Alpinisten und Bergwanderer aus ganz Europa und aus aller Welt zu unserem Berghaus, um die besondere Atmosphäre dieser einzigartigen alpinen Landschaft zu erleben.
Ein großes Dankeschön geht an unsere Mitglieder und die Solidargemeinschaft der alpinen Vereine in Deutschland, die, durch die finanziellen Beihilfen die Berghütten unterstützen. Aber auch unser Bundesland Baden- Württemberg, die Stadt Pforzheim, das Bundesland Tirol und der Staat Österreich sind immer bereit, bestimmte Projekte finanziell zu unterstützen.
In großer Dankbarkeit und Bescheidenheit bedanken wir uns bei unseren Mitgliedern, und allen verantwortlichen Akteuren aus der Vergangenheit und Gegenwart für diese Leistungen.
Eure Verantwortlichen für die Pforzheimer Hütte
Thomas Thomsen und Bruno Kohl
Autor: Bruno Kohl
Fotos: Bruno Kohl